
Pfingsten in Villeneuve – Narzissen, Wein und Grenzen
Auch die diesjährige Pfingstreise bot viel Abwechslung: Wir wanderten durch ein Hochmoor, sahen wilde Narzissen, besuchten das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet der Schweiz und besichtigten einen Grenzort, der kaum Grenzen kennt.
Villeneuve empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, den schneebedeckten Dents du Midi und warmen Temperaturen. Die Funiculaire brachte uns auf Les Pléiades, wo wir unsere erste Wanderung starteten. Erst abwärts, dann auf einem Holzsteg durch ein Hochmoor, einem Moor, das nur durch Regen gespeist wird. Weiter führte der Weg durch Wiesen, bald aufwärts, und gab den Blick frei in die Alpen und ins Freiburgerland. Das Gebiet ist bekannt für seine wilden Narzissen, deretwegen früher Menschen aus der ganzen Welt kamen, um sie zu pflücken. Es gab einst gar ein Narzissenfest. Der Run führte zu einem Rückgang der Pflanzen, deshalb wurden sie unter Schutz gestellt. Am Pfingstsamstag blühten sie fast überall. Es sah aus wie frisch geschneit, und ihr betörender Duft begleitete uns über weite Strecken.
Am Sonntag brachte uns die ‘Italie’, ein Raddampfer der Genferseeflotte, der grössten Flotte der Schweizer Binnenschifffahrt, nach St-Saphorin. Unterwegs bewunderten wir die Bau- und Weinbaukunst der Lavaux, Weltkulturerbe und grösstes zusammenhängendes Weinbaugebiet in unserem Land. Unsere Wanderung durch das Rebbaugebiet zurück nach Cully war geprägt von tollen Ausblicken auf den See, steilen Rebbergen und kunstvollen Steinmauern – und grosser Hitze. Überall luden Winzer in ihre Kellereien ein. Wir widerstanden der Versuchung, in einen der kühlen Keller abzusteigen – und wurden dafür abends mit einem Apéro mit lokalem Wein verwöhnt.
Am letzten Tag führte uns der Weg ins Wallis, nach St-Gingolph, dem Grenzort zwischen der Schweiz und Frankreich. Die Grenze, der Dorfbach, führt mitten durch das Dorf. Eine Brücke verbindet die beiden Länder – und die lokale Bevölkerung. Schon seit Jahrhunderten wird hier zusammen gearbeitet, so auch im zweiten Weltkrieg, als die Unterstützung der Résistance mittels Seilbahn von Fenster zu Fenster erfolgte. Als die Deutschen das Dorf in Flammen legten, half die Feuerwehr und konnte immerhin die Kirche retten. Nach der Wanderung durch den Wald bestiegen wir wieder das Schiff, diesmal zum Schloss Chillon. Wer keine Lust auf einen Schlossrundgang hatte, genoss schattige Plätze mit Seeblick, bevor uns der Zug zurück nach Basel brachte.
Merci beaucoup, Rita et Jean-Bernard. C’était formidable !
Text: Monika / Fotos: Jean Bernard























